Antifa-Block auf Bündnisdemo „Der 8. Mai wird Feiertag!“

Ein breites gesellschaftliches Bündnis hat eine Kampagne ins Leben gerufen, um den 8. Mai in NRW und bundesweit zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Den Auftakt der Kampagne bildet eine große Bündnisdemonstration am 8. Mai 2022 in Dortmund. Verschiedene Antifa-Gruppen aus NRW rufen zu einem Antifa-Block auf dieser Demonstration auf, deren Aufruf wir hier veröffentlichen:

Der 8. Mai verpflichtet – Der Opfer gedenken, Kontinuitäten und Täter:innen benennen, (Neo-)Faschismus bekämpfen

Am 8. Mai 1945 trat die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Truppen in Kraft und beendete damit den Zweiten Weltkrieg in Europa. Auch wenn einzelne Gefechte danach noch stattfanden - und die Kapitulation Japans und damit das eigentliche Kriegsende erst deutlich später erfolgte - gilt der 8. bzw. 9. Mai seitdem als der Tag, an dem der Nationalsozialismus endlich militärisch niedergerungen war. Der von den Deutschen entfesselte Weltkrieg mit all seinen unvorstellbaren Verbrechen, z. B. dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, dem Porajmos, der Shoah, konnte erst jetzt gestoppt werden. Für viele war der 8. Mai „Tag der Befreiung“. Für jene etwa, die bis zuletzt in ihren Verstecken ausharren mussten, die in den Knästen der Nazis auf die Vollstreckung ihres Todesurteils warteten, die in deutschen Schächten und auf deutschen Äckern zur Zwangsarbeit genötigt wurden, die in Widerstandszellen in besetzten Gebieten ständig Enttarnung und Hinrichtung fürchten mussten. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass für unzählige der 8. Mai weniger eine Befreiung bedeutete, sondern vielmehr den Beginn der schmerzhaften Auseinandersetzung mit dem Geschehenen, mit dem Verlust von Menschen, Heimat oder Vertrauen. Und dass der Tag für Millionen zu spät kam. Der 8. Mai war und ist ein zwangsläufig widersprüchlicher Tag.

Die „Befreiung“ blieb zudem immer unvollständig. Am 8. Mai wurden der militärische Nationalsozialismus und die NS-Gesellschaftsordnung zerschlagen, die dem zugrundeliegende Ideologie jedoch bis heute nicht. Sie überdauerte in den Köpfen seiner Anhänger:innen und prägte noch nachfolgende Generationen. Bruchstücke konnten gesellschaftlich auch nach '45 immer wieder wirkmächtig werden, vom völkischen Denken über Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Nationalismus. Und sie werden es immer noch. Der Antikommunismus versöhnte im Nachkriegsdeutschland neue mit den alten Eliten und erlaubte es, von den Nazis Verfolgte direkt erneut mit Repressalien zu überziehen. Jede Aufarbeitung des Geschehenen, die es tatsächlich gab und die unsere Anerkennung verdient, musste von Überlebenden, Angehörigen und kritischen Initiativen wie den Geschichtswerkstätten erkämpft und immer wieder gegen Revisionist:innen verteidigt werden. Und doch bleibt die Befreiung vom NS-Regime immerhin eine teilweise Befreiung, die ein (besseres) Leben für Millionen und folgende Generationen objektiv ermöglichte. Der 8. Mai ist ihr Symbol und ein noch einzulösendes Versprechen vollständiger Befreiung.

Wir unterstützen die Kampagne zur Einführung eines Feiertags am 8. Mai. Wir machen uns dabei keine Illusionen. Ein staatlicher Feiertag kann niemals das Ziel unserer Forderung nach tatsächlicher Befreiung von faschistischer Ideologie und ihrer Umsetzung sein. Die Gefahr ist groß, dass ein solcher Tag vom „Aufarbeitungsweltmeister“ Deutschland inhaltlich entkernt, seiner kritischen Absicht beraubt und zu einem gefälligen Schulterklopfen neuer deutscher Selbstverständlichkeit verbogen wird - zur Fortsetzung der Erinnerungsabwehr mit anderen Mitteln. Eine besonders perfide Form dessen ließ sich bereits zur Begründung des Kosovokriegs und auch heute wieder beobachten, wenn das vermeintliche Gelernt-Haben aus der Geschichte zur Rechtfertigung von Aufrüstung, Militarisierung und Krieg herangezogen wird. Die Gefahr ist groß, dass ein solcher Tag von Vertriebenenfunktionär:innen, Adelsclans und anderen zu kapern versucht wird, die sich in die Reihe der Opfer des Nationalsozialismus zu drängen versuchen. Schließlich seien ja „wir alle“ gleichermaßen „befreit“ worden. All das tun Staat, harte und weiche Geschichtsrevisionist:innen und andere aber auch jetzt schon.

Wir bekennen offen, dass es uns in der Debatte um den 8. Mai als Feiertag vor allem um den kritischen Diskurs über die „Befreiung“ und die ausgebliebenen und damit noch zu erfüllenden Konsequenzen geht. Es geht uns darum, zu schärfen, wer befreit wurde und wer besiegt werden musste. Es geht uns um die Benennung von Kontinuitäten faschistischen Denkens und deren Bekämpfung. Es geht uns darum, für ein antifaschistisches Verständnis von Befreiung von unten und von links zu streiten. Das werden wir mit oder ohne, mit oder gegen einen staatlichen Feiertag tun.

Wir rufen als Antifaschist:innen dazu auf, sich am 8. Mai an der Kampagnendemonstration in Dortmund zu beteiligen. Treffpunkt ist um 15:00 Uhr am Dortmunder Hbf.

Kommt in den Antifa-Block! Streiten wir für die Einlösung des Versprechens von Befreiung!

Halten wir es mit dem Schwur von Buchenwald: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig.“


Der Aufruf wird unterstützt von:

  • non a parole - Antifaschistisches Kollektiv Bochum
  • Antifa Bonn/Rhein-Sieg
  • Autonome Antifa 170 [Dortmund]
  • Mean Streets Antifa Dortmund
  • F.I.R.S.T. AID - Antifaschistische Initiative Duisburg
  • Antifa Essen West
  • BürgerInnen gegen Rechts Kamen & Bergkamen
  • Antifaschistische Jugend Köln
  • Antifa Werne

Wenn ihr den Aufruf ebenfalls unterzeichnen wollt, schreibt eine kurze Mail an info@antifa.nrw


Aus einigen Städten gibt es gemeinsame Anreisen:

  • Bielefeld: 13:15 Uhr, Hbf
  • Bochum: 14:25 Uhr, Buddenbergplatz hinter dem Hbf
  • Bonn: 12:04 Uhr, Hbf, RE5 auf Gleis 1 (Abfahrt)
  • Köln: 12:30 Uhr, Hbf, Gleis 4

Diese Liste wird laufend aktualisiert.

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