Öffentlichkeitsarbeit

Um mit den eigenen Inhalten und Forderungen möglichst viele Menschen zu erreichen, ist es wichtig, eine kontinuierliche und durchdachte Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Super gute, aber nur einmalig durchgeführte Ideen haben leider häufig nicht den gewünschten Effekt. Passend zum jeweiligen Thema und zu den Menschen, die ihr erreichen wollt, solltet ihr euch also bevor es losgeht überlegen, welche Kanäle ihr wann wie und mit welchen Inhalten bespielen wollt und könnt.

Inhaltsübersicht: Internetseiten | Social Media | Info-Kanäle & E-Mailverteiler | Flyer/Flugblätter | Pressemitteilungen

Internetseiten

Eine der einfachsten Möglichkeiten, Außenstehende über die Arbeit eurer Gruppe zu informieren, bieten Blogs und andere Internetseiten. Es existieren mittlerweile unzählige Anbietende, bei denen ihr kostenlos, anonym und manchmal sogar ohne lästige Werbung eine Seite einrichten könnt. Überlegt euch gut, was für eine URL ihr am Ende haben wollt - das lässt sich im Nachhinein nämlich schlecht noch ändern.

Außerdem sollte die Gestaltung eurer Website zu eurem Image und eurer Zielgruppe passen. Wenn ihr von einer breiten Öffentlichkeit als seriöse Ansprechpartner:innen wahrgenommen werden wollt, ist es wenig hilfreich, wenn schon auf dem Banner der Website steineschmeißende Gestalten zu sehen sind und ihr in euren Artikeln unentwegt von „Faschos“ und „Bullenschweinen“ sprecht.

Beim Verfassen von Artikeln müsst ihr euch zudem überlegen, welche Themen für eure Zielgruppe interessant sind. Wer die Website einer lokalen Antifa-Gruppe besucht, möchte in der Regel auch über lokale Aktivitäten informiert werden und nicht über Demonstrationen oder Polizeiübergriffe, die in Berlin stattgefunden haben. Grundsätzlich gilt außerdem leider "tl;dr" (too long; did'nt read): Gut recherchierte und argumentierte Artikel sind super, aber klatscht sie nicht einfach als Fließtext auf die Seite. Überlegt euch lieber, welche Teile davon unbedingt lesenswert sind und erstellt mit dem Rest eine zusätzliche Datei zum Download für diejenigen, die es wirklich interessiert. Erstellt alternativ mehrere Artikel zu verschiedenen Schwerpunkten, verlinkt sie miteinander und ordnet und entzerrt den Text durch ein unterstützendes Layout.

Anbei noch einige Empfehlungen von Anbietenden verschiedener Internetseiten:

    Für einfache Blogs, z.B. für Gruppen und Kampagnen empfehlen wir:
  • Noblogs: Eine einfache, unkomerzielle und Datensparsame WordPress-Instanz mit allen grundlegenden Möglichkeiten.
  • Blackblogs: Eine WordPress-Instanz auf der Basis von noblogs.org, mit etwas mehr technischen Freiheiten, allerdings auch hin und wieder Ziel von DDoS-Attacken, wodurch die dort gehosteten Blogs zeitweise nicht erreichbar sind.

Für individuellere Websiten (z.B. so wie dise) benötigt ihr ein eigenes Hosting, wozu wir die Angebote der folgenden unkommerziellen Anbietenden empfehlen können:

Dafür ist allerdings mehr technisches Know How nötig als für das Betreiben eines einfachen WordPress-Blogs. Wenn ihr dazu konkrete Fragen habt, kontaktiert uns gerne oder wendet euch direkt an die betreffenden Anbietenden.

Social Media

Insbesondere wenn ihr eine breite Öffentlichkeit ansprechen und vor allem für junge Zielgruppen sichtbar werden wollt, lohnen sich Social Media-Kanäle. Allerdings auch nur dann, wenn ihr sie wirklich und regelmäßig bespielen wollt und könnt. Wenig ist abschreckender als leere Social Media-Profile und die jeweiligen Seiten sanktionieren sporadisches Posting mit wenig Reichweite. Also wundert euch nicht, wenn ihr nur einmal im Monat einen Post macht und ihn leider kaum jemand angezeigt bekommt.

Die Auswahl der jeweiligen Kanäle liegt dann wieder an eurer Zielgruppe und an den Inhalten, die ihr teilen wollt. Insgesamt gilt auch hier: Man muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Um nicht identifizierbar zu sein, solltet ihr ein sicheres Handy nur für Social Media verwenden und nicht mit euren eigenen Geräten arbeiten. Die Nutzung von sozialen Netzwerken über Tor ist nämlich eingeschränkt. Folgend sehr verkürzt die Eigenheiten der gängstigsten Netzwerke:

  • ist textlastig
  • ermöglicht durch das Setzen relevanter Hashtags eine breite und überregionale Öffentlichkeit über die eigenen Follower:innen hinaus sowie die Teilnahme an allgemeinen Diskursen
  • erfordert hohe Frequenz an Postings und Interaktionsraten mit anderen Postings sowie den Kommentaren im eigenen Feed

Info-Kanäle & E-Mailverteiler

Eine weitere relativ unkomplizierte Möglichkeit, um viele Menschen auf eure Aktivitäten aufmerksam zu machen, sind E-Mailverteiler. So könnt ihr beispielsweise regelmäßig die Ortsverbände der Parteien, Gewerkschaften und andere Organisationen in eurer Stadt über eure Aktivitäten informieren. Auch hier solltet ihr darauf achten, dass eure Mitteilungen für die Leser:innen interessant sind, da eure Mails ansonsten zukünftig direkt im Papierkorb landen werden. Um auch hier nicht die Aufmerksamkeitsspanne eurer Leser:innen zu strapazieren, könnt ihr in die E-Mails kurze Teasertexte mit einem Link zum Weiterlesen (bspw. zu eurer Website) setzen.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf Telegram-Info-Channel anwenden - mit dem Vorteil, dass sich insbesondere jüngere Zielgruppen eher über ihre Handys aktivieren lassen und dem Nachteil, dass ihr euch hier noch kürzer fassen müsst. Allerdings können auch hier Links gesetzt werden und ihr könnt euren Leser:innen kurz vor oder während bestimmter Aktionen kurzfristig noch Infos zukommen lassen. Zudem ist es für einen handybasierten Informationskanal passender, mehrere Nachrichten in kürzeren Abständen zu verschicken.

Flyer / Flugblätter

Wozu Flyer? Liegt eigentlich auf der Hand: Um eigene inhaltliche Stellungnahmen zu verbreiten, Position in öffentlichen Diskussionen zu beziehen, auf Sachverhalte aufmerksam zu machen und das womöglich in einem "heißen" Moment eurer Zielgruppe. Unter einem "heißen" Moment könnt ihr euch den Moment vorstellen, in dem ein Mensch neugierig ist, wissen will, was gerade vor seiner Nase passiert (bspw. am Rande einer Demo/Aktion). Trotzdem lohnt es sich vor jeder Veröffentlichung, darüber nachzudenken, ob sie in dieser Form Sinn ergibt – vielleicht gilt das aber ganz besonders für Flyer.

Ein Flyer soll von möglichst vielen Menschen gelesen und schnell verstanden werden. Wenn euer Output nur an eine bestimmte Gruppe gerichtet oder besonders komplex ist, lohnt es sich oft eher, den Text auf eurer Internetseite, bestimmten Blogs oder per Mail kundzutun. Also stellt sich die Frage, wie ihr die Leute dazu kriegt, den Flyer zu lesen. Das ist allerdings ein echtes Problem, für das wir keine pauschale Lösung bieten können.

Was aber grundsätzlich überlegt werden sollte, ist…

Ein gutes Layout: Große, unkompliziert formulierte Überschrift – muss ja nicht im BILD-Jargon sein! Übersichtliches Layout, kurze Absätze, Schriftgröße im Text nicht unter 11 Punkt, evtl. Bilder, zwischen den Absätzen Leerzeilen, eventuelle Aufrufe oder/und Termine am Schluss nochmal fett und groß schreiben, kontrastreiche Farben. (Mehr dazu im Text Aufkleber und Plakate)

Verständlich schreiben: Der Text ist ja nicht als Beweis für eure intellektuelle Schärfe gedacht, sondern damit möglichst viele ihn verstehen. Was wiederum auch nicht heißt, dass man für Vorschulkinder schreiben muss – außer das ist eure Zielgruppe. Also möglichst wenig Kettensätze, wenig Fremdwörter, wenig Wissen über sehr spezifische wissenschaftliche Bereiche voraussetzen.

Rechtliche Absicherung: Es muss ein V.i.S.d.P., also ein:e Verantwortliche:r im Sinne des Presserechts, auf dem Flugblatt stehen. Genannt werden muss der Name sowie die Anschrift der Person. Wer das allerdings ist, da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Was könnt ihr dafür, wenn ihr im besten Wissen und Gewissen, dass es diese Person wirklich gibt, die Flyer verteilt habt?

Ort der Verteilaktion: Texte über sehr lokal begrenzte Auseinandersetzungen am besten in die Briefkästen der Nachbarschaft. Ansonsten, je nach Aussage und Zielgruppe zum Beispiel: samstagmittags in der Innenstadt, morgens vor Schulen, nachmittags an der Uni, am Hauptbahnhof, vor bestimmten Clubs usw. Flugblätter kann man übrigens auch gut in Cafés, Kneipen, Clubs, Bücherläden, linken Zentren, Jugendfreizeitstätten usw. auslegen, wenn man vorher gefragt hat. Außerdem natürlich am Rand von Aktionen/Demos, um über diese zu informieren. Oder auf den Demonstrationen selber, um andere Teilnehmende zu weiteren Aktionen zu mobilisieren.

Pressemitteilungen

Die meisten Leute erreicht man als Antifa-Gruppe in der Regel dann, wenn es gelingt, die eigenen Forderungen, Recherche-Ergebnisse oder Veranstaltungsankündigungen in etablierten Zeitungen oder Nachrichtenportalen zu platzieren. Persönliche Kontakte zu Journalist:innen sind dabei natürlich sehr hilfreich. Aber auch eine gut geschriebene Pressemitteilung kann dazu führen, dass man es in die Berichterstattung der regionalen Medien schafft.

Pressemitteilungen sollten kurz, informativ und einwandfrei recherchiert sein. Das Thema und die entscheidenden Informationen sollten schon aus der Überschrift und den ersten Zeilen der Meldung hervorgehen. Orientiert euch hierfür an den W-Fragen: "Was? Wer? Wann? Wo?" (Faktenfragen) und wenn möglich auch noch "Wie? Warum? Woher?" (Hintergrundfragen). Die Reihenfolge ist dabei abhängig von der Wichtigkeit der Informationen. Der gesamte Text sollte maximal eine DIN A4 Seite umfassen, günstiger wäre eine halbe Seite und im beste Falle direkt auch ein Bild.

Wenn ihr einer Redaktion mehrmals uninteressante oder gar inhaltlich fehlerhafte Mitteilungen schickt, wird diese eure Meldungen nicht mehr berücksichtigen. Ein seriöser Stil ist bei Pressemitteilungen besonders wichtig. Auf Szenebegriffe wie „Bullen“ oder „Faschos“ sollte daher ebenso verzichtet werden wie auf unverständliche Abkürzungen, moralische Wertungen oder den übermäßigen Gebrauch von Ausrufezeichen.

Ganz wichtig: Auf einer Pressemitteilung müssen Kontaktdaten für mögliche Nachfragen angegeben sein. Zumindest eine E-Mailadresse, am besten aber auch eine Telefonnummer, unter der ihr erreichbar seid. Zudem empfiehlt es sich, eure Mailadresse und den Gruppennamen, unter dem ihr veröffentlicht, längerfristig beizubehalten - gerade wenn eure Pressemitteilungen schon einmal von der Presse aufgegriffen worden sind. Hilfreich ist es natürlich, wenn ihr die E-Mailadressen von Redakteur:innen kennt und sammelt, die bereit sind, über antifaschistische Themen zu berichten.

Dieser Text basiert zum Teil auf Inhalten der Kampagne "organize! - Für mehr Antifa im Ruhrgebiet" von 2012.

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